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Brons: Wirtschaft durchschreitet Talsohle

„Die Wirtschaft in Ostfriesland und Papenburg scheint die coronabedingte Talsohle erreicht und jetzt durchschritten zu haben“. Diese Einschätzung vertritt IHK-Präsident Dr. Bernhard Brons nach Auswertung der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage nach dem zweiten Quartal. Die Geschäftslagebeurteilungen der Betriebe zeigten, dass sich die Wirtschaft langsam wieder etwas von ihrem historischen Tief erhole – allerdings auf weiterhin niedrigem Niveau und noch weit entfernt von der Zeit vor der Corona-Krise. Brons: “Die Corona-Pandemie hat für eine schwere Zäsur in unserer Wirtschaft gesorgt und sie wird bis ins nächste Jahr eine enorme Belastung für unsere Wirtschaft bleiben“. Vor diesem Hintergrund untersuche die IHK die Entwicklungen in der Region nun erstmalig gemeinsam mit Creditreform, um die Auswirkungen der Pandemie auf die Wirtschaft noch besser analysieren zu können und Auswege aus der konjunkturellen Krise aufzuzeigen, so Brons. Dazu Christian Bolte, Geschäftsführender Gesellschafter der Creditreform Leer Bolte KG: „Die Zahl der Insolvenzen ist trotz des massiven Konjunktureinbruchs auch in unserer Region noch nicht gestiegen. Zu diesem Bild tragen sicherlich die staatlichen Unterstützungen, aber auch die ausgesetzte Insolvenzantragspflicht bei. In unseren Risikoanalysen zeigen sich die hiesigen Unternehmen im bundesweiten und auch im Weser-Ems-Vergleich bisher außerordentlich stabil“.

Generell werden die Aussichten für die nächsten Monate von der Wirtschaft unter dem Strich als „etwa gleich bleibend“ bewertet. Fast die Hälfte der befragten Betriebe teilt diese Auffassung.  35 Prozent der Unternehmen gehen von einer „eher ungünstigen“ Geschäftslage in der nahen Zukunft aus. Besonders im Einzelhandel überwiegt der Pessimismus. Hier haben 47 Prozent der Befragten die Aussichten als „eher ungünstig“ bewertet. Die größten Risiken sehen die Betriebe bei der Inlandsnachfrage sowie bei den politischen Rahmenbedingungen.
Die IHK hatte im Rahmen ihrer vierteljährlichen Konjunkturumfrage nach dem Ende des zweiten Quartals wieder rund 200 Unternehmen aus der Industrie, dem Einzel- und dem Großhandel, der Dienstleistungsbranche sowie aus dem Verkehrssektor der Region zu ihrer gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation und zu ihren Erwartungen für die kommenden Monate befragt. Der Konjunkturklimaindikator erreichte jetzt 78 von 200 möglichen Punkten. Damit erholte er sich von dem niedrigsten jemals in der Region gemessenen Wert vor drei Monaten. Trotz dieser Erholung liegt er immer noch deutlich unter dem langjährigen Mittelwert. Derzeit bezeichneten 43 Prozent der befragten Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als „schlecht“. Im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum werden die Corona-Auswirkungen deutlich: Damals beurteilten nur sieben Prozent ihre Geschäftslage als „schlecht“.

Brons sorgt sich um die Ertragslage der Unternehmen, die sich bei fast zwei Drittel der Befragten verschlechtert habe. Stark zurückgegangen bei den Betrieben seien angesichts der aktuellen Unsicherheiten auch deren Investitionspläne. Fast ein Drittel rechnet mit abnehmenden Investitionen. Hingegen rechneten circa drei Viertel der Betriebe mit etwa gleichbleibenden Beschäftigtenzahlen. Brons führt dies vor allem auf das Instrument der Kurzarbeit zurück. „Das ist ein hoffnungsvoller Lichtblick in dieser Krise, der uns zeigt, dass die Unternehmen ihre Beschäftigten behalten wollen, weil sie mittelfristig wieder mit einer Verbesserung der Lage rechnen“. Das sei bei der Wirtschafts- und Finanzkrise übrigens ähnlich gewesen.