IHK zieht Bilanz beim Windenergieausbau

Im Bezirk der Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg wurde im Jahr 2020 laut Marktstammdatenregister genau eine neue Windkraftanlage errichtet.
„Der Windenergieausbau nimmt vorsichtig wieder Fahrt auf, nur nicht hier“, fasst IHK-Präsident Dr. Bernhard Brons die aktuelle Lage zusammen.
Die von der Fachagentur Windenergie an Land (FA Wind) jüngst veröffentlichten Zahlen unterstreichen diese Entwicklungen, die Niedersachsen und insbesondere auch den IHK-Bezirk trifft. Um die Energiewende und das dafür erforderliche Ausbauziel zu erreichen, müssten nach IHK-Schätzungen bundesweit jährlich 5.000 MW an Windleistung dazu gebaut werden. Mit Nordrhein-Westfalen habe nun erstmals ein klassischer Wind-Außenseiter beim Ausbau mit einer neu installierten Leistung von 313 MW die Führung übernommen, kommentiert  Brons diesen Trend. Niedersachsen habe im Jahr 2020 lediglich 167 MW Windleistung neu aufgebaut und verfüge damit über eine installierte Leistung von rund 11.400 MW. Der IHK-Bezirk habe selbst 1.957 MW an Windleistung.
Nach wie vor werde in der Region rein rechnerisch mehr Strom (2019: 180 Prozent) über die installierte Windenergie vor Ort erzeugt als verbraucht. „Aber aktuell verspielen wir hier unseren Vorsprung“, so Brons weiter. Der Wirtschaftsstandort Ostfriesland und Papenburg biete mit seiner erneuerbaren Energieversorgung und vorhandenen Infrastruktur schließlich beste Voraussetzungen, um auch eine erfolgreiche, marktfähige und vor allem grüne Wasserstoffwirtschaft aufzubauen.
„Mit der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes hat man älteren Windkraftanlagen, die aus der Förderung fallen, nun in letzter Minute eine Perspektive für den Weiterbetrieb gegeben“, erklärt Cord-Dieter Neemann, Vorsitzender des IHK-Industrieausschusses. Handlungsbedarf sehe man jedoch im Bereich des Repowering, also dem Ersatz von Windkraftanlagen, deren Weiterbetrieb nicht möglich ist, durch effizientere und leistungsfähigere Anlagen. Die Standorte seien bereits vorgeprägt, eine weitere Nutzung sollte mit Blick auf die notwendigen Ausbauzahlen nicht mit unnötigen Hürden versehen werden.
Die Flächenpotenziale sieht die IHK weder auf Landesebene noch im Kammerbezirk als Problem. Vor allem die Planungsprozesse und Genehmigungsverfahren müssten jedoch effizienter werden, um die angestrebten Ausbauziele zu erreichen. „Hier spielt die Akzeptanz an den betroffenen Standorten natürlich eine ganz große Rolle“, so Neemann. Die im EEG vorgesehene Beteiligung der Kommunen am wirtschaftlichen Ertrag des dort erzeugten Stroms sei ein Schritt in die richtige Richtung. Wichtig sei jedoch, dies nicht mit zusätzlicher und überbordender Bürokratie für die Investoren und Betreiber einhergehen zu lassen.
„Eines dürfen wir an unserem Standort nie außer Acht lassen“, gibt Brons zu bedenken, „in Ostfriesland und Papenburg weht nicht nur Wind, der die Energieerzeugung möglich und effizient macht – auch die Wertschöpfung rund um Produktion, Aufbau und Wartung von Windkraftanlagen mit all ihren Arbeitsplätzen findet in Ostfriesland und Papenburg statt.“ Dies seien gute Gründe, sich gerade vor Ort für gute Rahmenbedingungen in dieser Branche einzusetzen.