Innovation und Umwelt

Netzausbau vorantreiben - Strompreise senken

„Der Netzausbau muss beschleunigt werden, Steuern und Abgaben auf den Strompreis müssen sinken!“. Das sind die beiden Top-Forderungen an die zukünftige Bundesregierung, die die niedersächsische Wirtschaft im vergangenen Sommer anlässlich der Befragung zum „IHK-Energiewende-Barometer 2017“ aufgestellt hat. Über 250 Unternehmen aus Niedersachsen haben sich an der Umfrage zu aktuellen energiepolitischen Themen beteiligt, die die IHK-Organisation jährlich bundesweit in den Branchen Industrie, Bau, Dienstleistung und Handel durchführt.
Dass Unternehmen in Niedersachsen vor allem bei den Themen Netzausbau und Strompreisen ein zügiges Handeln von der Bundesregierung erwarten, ist folgerichtig. Denn gerade hier „brennt“ es besonders: Beim Neu- und Ausbau des Übertragungsnetzes ist erst ein Bruchteil von dem geschafft, was der Gesetzgeber als notwendig ansieht. Von bundesweit knapp 6.000 km Leitungen, die im Bundesbedarfsplangesetz als vordringlich festgelegt worden sind, wurden – mit Stand Ende 2017 – erst 450 km genehmigt und davon 150 km realisiert.
Fehlen Netze, kann Strom vom windreichen Norden nicht in den industriestarken Süden transportiert werden. Überlastungen des Netzes müssen durch Eingriffe vermieden, Windenergieleistung muss abgeregelt werden. All das kostet Geld. Dabei sind die reinen Stromproduktionskosten der niedrigste Bestandteil des Strompreises. Auf 19 Euro, die ein Unternehmen in Deutschland für die Erzeugung und Beschaffung von Strom ausgeben muss, kommen 81 Euro an staatlich verordneten Abgaben hinzu: Netzentgelte, EEG-Umlage und Stromsteuer. Und auch wenn die EEG-Umlage im Jahr 2018 mit 6,792 ct/kWh minimal niedriger liegen wird als noch 2017 (6,88 ct/kWh), ist eine spürbare Entlastung beim Strompreis vorerst nicht zu erwarten.
Das spiegelt sich auch in den Antworten zu den Energiekosten der niedersächsischen Wirtschaft wider. Nach einer kurzen Entlastung im Vorjahr sind nun für 30 Prozent der Unternehmen die Strompreise gestiegen und nur für 10 Prozent gesunken. Für knapp 60 Prozent sind sie in etwa gleich geblieben.
Dennoch schätzt die niedersächsische Wirtschaft die Auswirkungen der Energiewende auf ihre Wettbewerbsfähigkeit etwas besser ein, als es der Bundesdurchschnitt tut. Das „IHK-Energiewende-Barometer“ ist ein deutlicher Stimmungsmesser dafür, wie sich die Energiewende auf die Wirtschaft auswirkt. Und das Barometer zeigt bei der Mehrheit der niedersächsischen Unternehmen den Bereich positiv bis neutral an: Im Jahr 2017 bewerteten niedersächsische Unternehmerinnen und Unternehmer die Auswirkungen der Energiewende auf ihre Wettbewerbsfähigkeit mit 53 Prozent als „neutral“, bei 15 Prozent positiven und sechs Prozent sehr positiven Bewertungen. Negative (15 Prozent) oder sehr negative (fünf Prozent) Bewertungen sind demgegenüber in der Unterzahl. Bundesweit bewerten 19 Prozent die Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit mit negativ, fünf Prozent mit sehr negativ.
Und wie reagieren die Unternehmen in Niedersachsen auf die Veränderungen in der Energiepolitik- und -wirtschaft? Hier lassen sich einige anhaltende und auch neue Trends ablesen. Die Steigerung der Energieeffizienz ist mit Abstand die Maßnahme, die Unternehmen am ehesten wählen – und das nicht erst seit 2017: Über 30 Prozent haben bereits Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz ergriffen. Aktuell führen 36 Prozent der Unternehmen Maßnahmen zur Effizienzsteigerung durch und 19 Prozent planen dies noch zu tun. Konkret investieren Unternehmen vor allem in effiziente Technik (77 Prozent) und informieren und qualifizieren ihre Mitarbeiter (68 Prozent), um energieeffizienter zu wirtschaften.
Zu den jüngeren Reaktionen auf die Energiepolitik gehören Investitionen in neue Antriebstechniken für Fahrzeuge und in Stromspeicher: Zunehmend planen Unternehmen Elektrofahrzeuge anzuschaffen (24 Prozent) oder aber in Fahrzeuge mit alternativen Antrieben zu investieren (12 Prozent). Außerdem planen 16 Prozent die Anschaffung eines Stromspeichers.
Schränken Unternehmen aus Niedersachsen ihre Produktion im Inland ein oder verlagern Kapazitäten ins Ausland? Bisher zeichnet sich dies so gut wie gar nicht ab. 95 Prozent der Unternehmen geben an, dass sie weder Produktionseinschränkungen noch Kapazitätsverlagerungen planen. Nur 0,3 Prozent der Unternehmen haben diesen Schritt bereits ergriffen, zwei Prozent sind gerade dabei und weitere zwei Prozent planen dies noch zu tun. Die Bereitschaft, die Energiewende anzunehmen und innerhalb ihrer Rahmenbedingungen das eigene Unternehmen fortzuführen, ist in Niedersachsen also stark ausgeprägt.