Innovation und Umwelt

Food-eTail - Ein Angriff auf den stationären Lebensmitteleinzelhandel

Frisches Bio-Obst, ein saftiges T-Bone Steak oder ein italienische Eis aus der Tiefkühltruhe direkt an die Haustür geliefert? Auch in Deutschland ist dies bereits möglich. Der ostfriesische Anbieter MyTime, die DHL-Tochter AllyouneedFresh oder stationäre Händler wie REWE und EDEKA versuchen sich bereits seit einigen Jahren daran, eine geeignete Infrastruktur für die Belieferung von Frischwaren aufzubauen. Und nun auch noch der Online-Gigant Amazon! Seit Anfang 2017 haben nun auch Berliner Amazon-Kunden die Möglichkeit, ihren wöchentlichen Lebensmitteleinkauf über die beliebte Verkaufsplattform zu tätigen: Zu einem geringen Aufpreis ist die Lieferung innerhalb einer Stunde möglich.
Schwächen des eSystems
Food-eTail gilt als die Königsdisziplin im eCommerce. Denn anders als im Non-Food-Bereich ist die Logistik eine höchst komplexe Angelegenheit. Eine ultraschnelle Abwicklung, die richtige Lagerung und eine lückenlose Kühlkette müssen verhindern, dass das Gemüse verwelkt oder die Tiefkühlpizza aufgetaut beim Kunden ankommt.
Das Konzept, Lebensmittel an die Haustür zu liefern, gibt es bereits seit 1997. Dass es auch nach 20 Jahren den Massenmarkt nicht erreicht hat, zeigt, wie groß die Herausforderungen sind. Neben den genannten logistischen Herausforderungen legen gerade deutsche Kunden eine gesunde Portion Skepsis an den Tag. Denn der Deutsche möchte üblicherweise seine Lebensmittel vor dem Kauf durch Ansehen, Riechen und Fühlen genauestens begutachten, heißt es aus Experten-Kreisen. Doch bevor Anbieter wie Zalando angefangen haben, Bekleidung über das Internet zu verkaufen, äußerten sich viele Experten ebenfalls kritisch und argumentierten mit ähnlichen Aussagen.
Doch was ist die richtige Strategie für den traditionellen stationären Einzelhandel, um gegen die zunehmende Konkurrenz aus dem Internet zu bestehen?
Chancen des Einzelhandels
Kopieren alleine reicht nicht. Es bedarf innovativer Ideen, um sich gegen die scheinbar übermächtigen Konkurrenten aus dem Internet zu behaupten. Grundsätzlich gilt es dabei, die Nachteile, die der Online-Handel naturgemäß mit sich bringt, gegen ihn auszuspielen.
Das kann bedeuten, verstärkt auf ein regionales Vermarktungskonzept zu setzen. Mit großem Erfolg testet beispielsweise die Edeka-Regionalgesellschaft Minden-Hannover an den Standorten Wiesmoor und Emden Märkte, die komplett mit plattdeutschen Hinweisschildern und plattdeutschsprechendem Personal ausgestattet sind. Ergänzt wird dies durch ausgewählte Produkte aus der Region. Denn dem, was man kennt, vertraut man auch.
Was stationäre Lebensmitteleinzelhändler derzeit noch zu selten ausnutzen, ist das Potenzial der persönlichen Fachberatung. Von welchem Hof kommt der Grünkohl? Was ist die richtige Zubereitung für Snirtjebraten? Aus welchen Tee-Sorten besteht eigentlich der Ostfriesentee? Diese und andere Fragen bewegen viele Kunden beim Gang durch den Supermarkt. Durch die kompetente und freundliche Interaktion kann eine Kundenbeziehung aufgebaut werden, die ein reiner Online-Händler nie erreichen könnte.
Hilfe zur Selbsthilfe
Die Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg (IHK) unterstützt interessierte Händler mit individuellen Beratungsgesprächen und Veranstaltungen bei der Umsetzung. Denn es hilft alles nichts: Der digitale Wandel wird unsere Einkaufsgewohnheiten grundlegend verändern. Wer in Zukunft am Markt bestehen will, muss digital aufrüsten und die Schwächen der Online-Konkurrenz ausnutzen. Innovation, Regionalität und Transparenz sind Ansätze, mit denen sich auch stationäre Einzelhändler im Lebensmittelbereich erfolgreich behaupten können.