Carnet A.T.A.


Das Carnet-Verfahren hilft bei der vorübergehenden Ausfuhr von Berufsausrüstung, Ausstellungsstücken, Warenmustern oder Messeausrüstung aus der EU in ein anderes Land und bei der Wiedereinfuhr in die EU. Wozu man das Carnet braucht und wie man es bekommt, zeigt Ihnen dieser Kurzfilm. 

Was ist ein Carnet?

Das Carnet ist ein internationales Zollpassierscheinheft, das die vorübergehende Ausfuhr von Waren (z.B. Berufsausrüstung, Messegut und Warenmuster) erleichtert. Das Wort "Carnet" stammt aus dem Französischen und heißt soviel wie "Heft". Die Abkürzung "A.T.A." steht für "vorübergehende Einfuhr" (französisch: admission temporaire; englisch: temporary admission). Frei übersetzt heißt "Carnet A.T.A." also Zollpassierscheinheft für die vorübergehende Einfuhr von Waren.
Dank eines Carnet entfällt die Abgabe von Zöllen oder das Hinterlegen von Sicherheiten in den Einfuhr- bzw. Durchfuhrländern. Carnets ermöglichen eine zügige Grenzabfertigung und können während ihrer einjährigen Gültigkeitsdauer beliebig oft genutzt werden. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Waren nach ihrer vorübergehenden Ausfuhr in unverändertem Zustand wieder ins Ursprungsland zurückgeführt werden müssen.
Carnets können in mehr als 80 Staaten verwendet werden. Die angeschlossenen Länder sind auf dem grünen Deckblatt des Carnet A.T.A.-Vordrucks aufgeführt. Innerhalb der EU wird kein Carnet benötigt. Ausnahmen bilden vorübergehende Einfuhren in folgende Überseegebiete:  
  • Kanarische Inseln (Teneriffa, Fuerteventura, Gran Canaria, Lanzarote, La Palma, La Gomera und El Hierro)
  • Ceuta und Melilla
  • Martinique, Guadeloupe, Französisch-Guyana und Réunion.
Für die vorübergehende Verbringung von Waren nach Taiwan ist ein Carnet C.P.D. (Carnet de Passage en Douane) zu verwenden. Das Verfahren beruht auf einer Vereinbarung zwischen der EU und Taiwan und kann auch nur in diesem Verhältnis angewendet werden. Falls außer Taiwan noch andere Länder besucht werden, ist zusätzlich ein Carnet A.T.A. zu verwenden.

Für welche Waren lässt sich ein Carnet verwenden?

Die meisten Anwenderstaaten haben drei “Basisanwendungen” anerkannt:
  • Messe- und Ausstellungsgüter
  • Warenmuster
  • Berufsausrüstung
Messe- und Ausstellungsgüter sind Waren, die auf Ausstellungen, Messen, Kongressen oder ähnlichen Veranstaltungen ausgestellt oder verwendet werden. Hierzu gehören auch Standausrüstungen, Werbematerial, zur Vorführung benötigte Maschinen, Geräte und ähnliches. Ferner Übersetzungseinrichtungen, Bild- und Tonaufnahmegeräte sowie Filme mit erzieherischem, wissenschaftlichem oder kulturellem Charakter.
Warenmuster sind Gegenstände, die eine bestimmte Art bereits hergestellter Güter darstellen oder Modelle von Gütern sind, deren Herstellung vorgesehen ist. Diese Muster dürfen im Carnet-Verfahren nur zu Werbezwecken verwendet werden.
Berufsausrüstung umfasst Gegenstände wie Ausrüstungen für Montage, Erprobung, Messung, Prüfung oder Überwachung sowie für Presse- oder Rundfunkzwecke.
Nicht alle Anwenderstaaten erkennen das Carnet für die drei genannten Anwendungen an, so dass der Warenkreis je nach Bestimmungsland variieren kann. Auch gestatten manche Länder zusätzlich die Verwendung eines Carnets zu anderen als den vorgenannten Zwecken, daher sollte vor der Beantragung Rücksprache mit der IHK gehalten werden.
Zu beachten ist, dass alle Waren, die im Carnet erfasst sind, zollrechtlich gesehen Unionswaren sein müssen. Das heißt, sie müssen entweder vollständig in der Europäischen Union gewonnen oder hergestellt worden sein oder nach der Einfuhr aus einem Drittland zum zollrechtlich freien Verkehr zugelassen und damit verzollt und versteuert sein.
Keinesfalls lässt sich ein Carnet verwenden für:
  • Waren, die zum endgültigen Verbleib im Ausland bestimmt sind
  • Verbrauchsgüter
  • im Ausland gegen Entgelt vermietete Waren
  • Waren, die im Ausland Veränderungen erfahren (z.B. Veredelung, Reparatur etc.).
Ergibt sich erst nach der Ausfuhr der Waren, dass diese im Ausland verbleiben sollen, so muss dies der nächsten ausländischen Zollbehörde unter Vorlage des Carnets gemeldet werden, damit die Waren nachträglich verzollt werden können. Für die Verzollung sind die landesspezifischen Exportdokumente sowie eine Ausfuhranmeldung auszustellen. Die Verzollung muss im Carnet eingetragen werden, um das Carnet-Verfahren förmlich zu beenden.

Wie lange ist ein Carnet gültig?

Die Gültigkeit eines Carnet beträgt grundsätzlich ein Jahr. In Ausnahmefällen kann vor Ablauf der Gültigkeitsdauer ein Anschluss-Carnet erstellt werden. Dazu ist die frühzeitige Kontaktaufnahme mit der IHK notwendig. Während der Gültigkeit ist die Nutzung des Carnets in fast allen angeschlossenen Staaten für beliebig viele Verwendungen zulässig. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die betreffenden Waren generell bis zum Ablauf des Carnets im Zielland vorübergehend verwendet werden dürfen. Hier ist die jeweils vom Zoll im Zielland festgesetzte Wiederausfuhrfrist unbedingt einzuhalten. In vielen Ländern kann vor Ablauf der Wiederausfuhrfrist eine Verlängerung beim jeweiligen Zollamt beantragt werden.

Beantragung und Ausstellung eines Carnet

Die IHK stellt Carnets für kammerzugehörige Unternehmen sowie sonstige natürliche und juristische Personen mit Hauptsitz bzw. Hauptwohnsitz im IHK-Bezirk Ostfriesland und Papenburg aus. Die Carnet-Vordrucke sowie die Zusatzblätter sind sowohl bei der IHK als auch im Formularfachhandel erhältlich. Der Carnet-Inhaber muss den Carnet-Vordruck sowie den Carnet-Antrag ausfüllen und unterschreiben. Wichtig sind die Angaben zum Warenwert.
Tipps zu den Einträgen bieten unsere Ausfüllhinweise.
Das Carnet setzt sich zusammen aus:
  • Antrag (zweifach einreichen; Original bleibt bei der IHK)
  • Grünes Deck- und Abschlussblatt
  • Gelbe Aus- und Wiedereinfuhrblätter (für die deutsche Zollverwaltung)
  • Weiße Ein- und Wiederausfuhrblätter (für jedes Bestimmungsland zweifach)
  • Blaue Transitblätter (pro Durchfuhr zweifach, also pro Land vier Stück).
Die ausgefüllten und unterzeichneten Carnet-Unterlagen werden in der IHK vorgelegt. Wir prüfen das Carnet und ergänzen Gültigkeits- und Ausgabedatum, Seitennummerierung sowie Siegel und Unterschrift. Dazu erheben wir eine Gebühr in Höhe von 45 bzw. 95 Euro, wenn die Ausstellung des Carnet mit einer umfangreichen Beratung einhergeht.
Für im Handelsregister eingetragene Unternehmen sind Carnets bis zu einem Gesamtwert von 150.000 Euro möglich. Ist ein Unternehmen länger als acht Jahre eingetragen, ist eine Erhöhung der Wertgrenze auf maximal 250.000 Euro möglich. Bei nicht im Handelsregister eingetragenen Gewerbetreibenden, Zweigniederlassungen und bei Privatpersonen beträgt die Wertgrenze 15.000 Euro. In Ausnahmefällen ist eine Erhöhung des Limits möglich. Sprechen Sie uns in diesem Fall rechtzeitig an. 

Versicherungsentgelt

Damit auf Waren im Rahmen des Carnet-Verfahrens keine Gebühren und Abgaben erhoben werden, tritt die Handelskammerorganisation des Einfuhrlands als Zollbürge auf. Diese Bürgschaft ist durch eine Ausfallgarantie des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) abgesichert. Zur Deckung des nicht unbeträchtlichen Garantierisikos tritt der Kreditversicherer Euler Hermes SA als Rückbürge auf. Mit Ihrem Antrag auf eine Carnet schließen Sie also gleichzeitig eine Kautionsversicherung mit Euler Hermes ab.
Das Versicherungsentgelt wird zusätzlich zur Ausstellungsgebühr vor Aushändigung des Carnets erhoben und richtet sich nach dem Gesamtwert der im Carnet aufgeführten Waren.
Das Versicherungsentgelt beträgt:
bei einem Warenwert bis 9.999,99  Euro
37 Euro
von 10.000 bis 24.999,99 Euro
63 Euro
von 25.000 bis 49.999,99 Euro
110 Euro
von 50.000 bis 149.999,99 Euro
210 Euro
von 150.000 bis 299.999,99 Euro
380 Euro
von 300.000 bis 499.999,99 Euro
630 Euro
für jede weiteren angefangenen 500.000 Euro
420 Euro
Hiermit ist jedoch kein Abschluss einer Transportversicherung oder einer Versicherung bezüglich möglicherweise entstehender Einfuhrabgabeschulden in Drittländern verbunden.

Hinweise zum Ausfüllen eines Carnets

Carnets sind sorgfältig und vollständig auszufüllen. Bitte verwenden Sie die Ausfüllhilfen, die Sie nachfolgend verlinkt sowie unter "Weitere Informationen" finden. Handgeschriebene Carnets werden nicht akzeptiert.
  • Carnet ATA - Vorderseite Antrag: Mit dieser Datei können Sie die Vorderseite des Carnet-Antrags ausfüllen, ausdrucken und speichern. Beachten Sie bitte: Verwenden Sie nicht das Original-Antragsformular, sondern normales weißes Papier, da sonst Texte und Linien doppelt aufgedruckt würden.
  • Carnet ATA - Vorderseite Formular: Mit dieser Datei können Sie die Einträge für die Vorderseite der Carnet-Formularblätter (grünes Deckblatt, gelb / weiß / ggf. blau) vorbereiten, auf dem Original-Formular ausdrucken und speichern.
  • Carnet ATA - Rückseite Antrag und Formular: Mit dieser Datei können Sie die Einträge für die Carnet-Rückseite und die Antragsrückseite vorbereiten, ausdrucken und speichern. Legen Sie die einzelnen Formulare (grün, gelb, weiß, ggf. blau und den vorher ausgedruckten Antrag auf weißem Papier) wie angegeben in den Drucker und drucken Sie die am Bildschirm ausgefüllten Formulare darauf aus. Bitte nicht wundern: Bei dem Carnet-Antrag werden Überschriften und Tabellenlinien nicht mit ausgedruckt.
  • Carnet ATA – Vollmacht für reisende Mitarbeiter/ Spedition: Hier können die Mitarbeiter oder die Spedition eingetragen werden, die mit dem Carnet A.T.A. und den Waren reisen. Die Vollmacht ist sechssprachig: Deutsch / Englisch / Französisch / Spanisch / Italienisch / Russisch und kann ebenfalls mit dem Adobe Reader ausgefüllt, gedruckt und gespeichert werden.
In die Unterschriftenhinterlegung werden die Mitarbeiter bzw. Personen im Unternehmen eingetragen, die berechtigt sind, ein Carnet zu beantragen und zu unterzeichnen. Diese Vollmacht wird bei der IHK abgegeben und hat mit der Vollmacht für reisende Mitarbeiter nichts zu tun.

Das Carnet-Verfahren

Die IHK stellt die Carnet-Unterlagen aus. Danach prüft das zuständige Zollamt im Rahmen der sog. Nämlichkeitssicherung die Identität der Ware: Der Carnet-Nutzer muss das Carnet und die darin aufgeführten Waren dem nächsten Binnenzollamt vorführen. Das Zollamt unterzieht die Waren der Beschau, sichert die Nämlichkeit der Waren und vermerkt die Besichtigung im Carnet. Die Sicherung der Nämlichkeit (Prüfung der Identität der Ware) ist grundlegend. So kann später festgestellt werden, dass bei der Wiedereinfuhr dieselben Waren wieder zurückkommen.
Das Carnet und die Ware müssen bei jeder Ein- und Ausfuhr sowie beim Transit abgefertigt werden. Lassen Sie sich keinesfalls von den Zollbeamten einfach durchwinken und überprüfen Sie stets die vom Zoll gemachten Eintragungen auf Vollständigkeit, damit es bei der Wiedereinfuhr nicht zu Problemen kommt.
Die Zollbehörde kann Fristen einsetzen, die kürzer sind als die Gültigkeit des Carnets. Diese eventuell verkürzte Wiederausfuhrfrist ist auf jeden Fall einzuhalten. Wird die Frist überschritten, kann die Zollverwaltung Einfuhrabgaben erheben. Ähnliches gilt für den Transitverkehr, doch in diesen Fällen sind noch kürzere Fristen möglich.
Carnets haben eine Gültigkeitsdauer von einem Jahr. Eine Verlängerung der Gültigkeitsdauer ist ausgeschlossen. Carnets müssen der IHK zurückgegeben werden, sobald sie nicht mehr benötigt werden, spätestens aber bei Ablauf der eingetragenen Gültigkeitsdauer. Die IHK bewahrt das Carnet ab Ausstellungsdatum noch weitere dreieinhalb Kalenderjahre auf. Danach kann der Carnet-Inhaber das Zoll-Dokument auf schriftlichem Antrag hin wieder zurück erhalten. Ansonsten wird es vernichtet.

Wichtiges zum Schluss

  • Carnets sind sorgfältig und vollständig auszufüllen. Handschriftlich ausgefüllte Carnets werden nicht akzeptiert.
  • Bei jeder Ein- und Ausfuhr das Carnet abfertigen lassen und die Abfertigung, vor allem Fristen für Wiederausfuhr oder Wiedergestellung überprüfen. An Grenzstellen keinesfalls durchwinken lassen!
  • Öffnungszeiten der Zollabfertigungsstellen beachten und Abfertigungsdauer auf der Reise (auch auf Flughäfen) einplanen.
  • Ohne Einverständnis der IHK keine Veränderungen in einem Carnet vornehmen.
  • Gültigkeitsdatum und Verwendungsfristen beachten und rechtzeitig das Carnet an die IHK zurückgeben.
  • Nicht ordnungsgemäß abgefertigte Carnets sofort an die IHK zurückgeben. Keinesfalls die Sache auf sich beruhen lassen.

Vorübergehende Ausfuhr ohne Carnet

Für vorübergehende Ausfuhren ohne Carnet – zum Beispiel in Länder, die nicht zu den Carnet-Vertragsstaaten gehören – ist eine Ausfuhranmeldung und das Auskunftsblatt INF.3 notwendig. Weitere Hinweise haben wir hier für Sie zusammengestellt.