Informationen zum Brexit

Aktueller Verhandlungsstand

Die Bürger im Vereinigten Königreich hatten sich in einem Referendum am 23. Juni 2016 mit 51,9 Prozent für den Ausstieg ihres Landes aus der Europäischen Union entschieden. Der formelle Antrag auf Austritt aus der EU erfolgte am 29. März 2017, bevor Großbritannien nach mehreren Aufschüben schließlich am 31. Januar 2020 aus der Europäischen Union ausgetreten ist. Das lang umstrittene Brexit-Austrittsabkommen ist letztlich vom britischen Parlament angenommen worden.
Übergangsphase bis zum 31. Dezember 2020
Das Austrittsabkommen sieht einen Übergangszeitraum bis Ende 2020 vor, um Regelungen für die Zeit danach zu entwicklen. Eine mögliche Verlängerung dieser Übergangsfrist wurde von der Regierung in London bereits ausgeschlossen und ist vom Tisch. Während des Übergangszeitraums wird das Vereinigte Königreich grundsätzlich so behandelt, als ob es noch in der Zollunion und im Europäischen Binnenmarkt wäre. Das bedeutet, dass sich in Bezug auf Zollabfertigungen (nicht-präferenzieller Bereich) erst einmal nichts ändern wird. Ziel ist es, negative Auswirkungen eines ungeregelten Brexit auf Unternehmen und EU-Bürger zu vermeiden
Die Gefahr eines “no-deal Brexit” ist damit jedoch nicht gebannt.
Dass innerhalb der Verhandlungsfristen noch eine Einigung über ein Handelsabkommen gelingt, hielt EU-Chefunterhändler Michel Barnier nach der jüngsten Verhandlungsrunde Ende Juli zumindest für unwahrscheinlich und sprach von “großen Differenzen”. Der britische Unterhändler David Frost sieht das ähnlich – naturgemäß jedoch mit der Schuld auf der anderen Seite des Verhandlungstisches.
Tipp: Auf der Website der EU-Kommission finden Sie aktuelle Informationen vom Verhandlungsteam sowie die wichtigsten Dokumente und Angaben zum Ablauf der Verhandlungen. Auch das European Parliament Liaison Office in London informiert fortlaufend über den aktuellen Brexit-Stand.
Die bestehenden Differenzen sowie die Auswirkungen der Corona-Krise lassen es gegenwärtig wenig wahrscheinlich erscheinen, dass bis Jahresende ein umfassendes Abkommen zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich vorliegen wird. Ganz konkret bedeutet dies: Unternehmen müssen sich auf Zölle, unterbrochene Lieferketten und unterschiedliche Standards beim Großbritannien-Geschäft einstellen.

Tipps zur Vorbereitung

Beachten Sie bitte unsere Tipps und Empfehlungen, wie Sie Ihr Unternehmen auf den Brexit vorbereiten können.

Zoll- und präferenzrechtliche Auswirkungen

„Getting ready for changes” – so ist eine aktuelle Information der EU-Kommission vom 9. Juli 2020 überschrieben. Sie beschreibt konkret die Konsequenzen des Brexits auf den Waren-, Dienstleistungs- und Personenverkehr – unabhängig von einem möglichen Freihandelsabkommen, auf das sich die beiden Parteien vielleicht noch einigen werden. Wegen der tief greifenden Veränderungen, die der Austritt des VK aus der EU mit sich bringe, sei es für Wirtschaft und Verwaltung unerlässlich, sich sorgfältig auf das Ende der Brexit-Übergangsfrist vorzubereiten, so der Appell der EU. Dafür dienten auch die 59 “Readiness notices” Hinweise zu verschiedenen Themenfeldern, die die EU-Kommission mit Blick auf das neue Verhältnis zwischen dem VK und der EU zum Download bereit stellt und stets aktualisiert.
Für die Dauer der Übergangsphase gibt es keine Zollformalitäten mit Großbritannien. Dies ändert sich am 1. Januar 2021, ungeachtet ob es ein Freihandelsabkommen, eine Zollunion oder einen ungeregelten Brexit geben wird.
Betroffen wären insbesondere Unternehmen, die britische Lieferanten oder Kunden haben und über keinerlei oder wenig Erfahrung bei der Abwicklung von Geschäften mit Drittländern verfügen. Zusätzlich betroffen wären aber auch Unternehmen, die zwar mit der Abwicklung von Drittlandgeschäften vertraut sind, aber die noch zu verhandelnden Besonderheiten des britischen EU-Austritts in ihre Geschäftsabläufe integrieren müssen. 
Das Großbritannien-Geschäft wird in jedem Fall komplizierter. Dies wird auch der Fall sein, wenn mit dem Vereinigten Königreich eine ehrgeizige Freihandelszone eingerichtet wird, die Nullzollsätze und Nullkontingente für Waren sowie eine Zusammenarbeit im Zoll- und Regulierungsbereich vorsieht. Um die in einem künftigen Abkommen gegebenenfalls vereinbarten Zollpräferenzen und Vorteile überhaupt nutzen zu können, müsste der präferentielle Ursprung der eingehenden Waren durch entsprechende Präferenznachweise belegt werden.
Sollte es tatsächlich zu einem “no-deal Brexit” kommen, würde das Vereinigte Königreich zu einem Drittstaat, mit dem kein Abkommen existiert. In diesem Fall würden die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) gelten.
Zollformalitäten ab 1. Januar 2021
Egal wie das künftige Verhältnis zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich aussehen wird, nach Ablauf der Übergangspahse sind zwingend wieder Zollanmeldungen abzugeben.
Das bedeutet für die Ausfuhr aus der EU in das Vereinigten Königreich:
  • Ausfuhranmeldung und
  • Registrierung mit EORI-Nummer sowie
  • Zollsoftware (z.B. ATLAS) für die elektronische Abwicklung werden fällig. Dafür werden Artikelstammdaten sowie Codierungen benötigt. Alternativ ist die Internetzollanmeldung IAA+ (mit Elster-Online-Zertifikat) möglich.
  • Für sensible Güter werden ggf. Ausfuhrgenehmigungen benötigt
  • Umsatzsteuerliche Folgen: EU-Richtlinien verlieren ihre Geltung
  • Im Vereinigten Königreich erfolgt ein Einfuhrabfertigung. Die Höhe der Zölle richtet sich grundsätzlich nach dem “UK Global Tariff”. 
Das bedeutet für die Einfuhr aus dem Vereinigten Königreich in die EU:
  • Ausfuhrabmeldung im Vereinigten Königreich und
  • Einfuhranmeldung in der EU sowie
  • EU-Zölle (Einfuhrumsatzsteuer, evtl. Verbrauchsteuer) werden fällig.
  • Je nach Warenart werden zudem Lizensen, Nachweise oder Zertifikate erforderlich.
Der deutsche Zoll hat Details für Zollanmeldungen in ATLAS (Teilnehmerinformation 1787/19) veröffentlicht. Anmeldungen für Ein- und Ausfuhren sind nach dem harten Brexit möglich, Ländercode ist “GB”, bei der Ausfuhr ist die Art der Anmeldung “EU”.
Auf ihrer Internetseite informiert die deutsche Zollverwaltung ausführlich über die Auswirkungen des Brexit auf Zölle und Steuern.
Auswirkungen auf präferentielle Ursprungsregelungen
Der Brexit hat auch Konsequenzen für präferenzielle Ursprungsregelungen.
Während der Übergangsphase:
Das Vereinigte Königreich ist nicht mehr Mitglied der EU, damit ist es auch nicht mehr Vertragspartner der Handelsabkommen. Die Europäische Union hat ihre Handelspartner jedoch gebeten, das Vereinigte Königreich während der Übergangsphase weiterhin als EU-Mitglied zu behandeln. Unter der Annahme, dass dies akzeptiert wird, ändert sich bis Ende 2020 nichts: Lieferantenerklärungen gelten weiter, Ursprungserklärungen und EUR.1 für die Präferenzverzollung in Partnerländern werden weiter ausgestellt. Allerdings ist es möglich, dass einzelne Handelspartner dem nicht zustimmen.
Nach der Übergangsphase:
Waren des Vereinigten Königreichs sind spätestens ab dem 1. Januar 2021 keine EU-Waren mehr und folglich nicht präferenzberechtigt. Dies gilt nach Ansicht der Europäischen Kommission auch für britische Ware (z.B. Lagerware), die sich bereits vor dem Brexit im Gebiet der EU-27 befand. 
Mit dem Ende der Übergangsphase gelten Vormaterialien aus dem Vereinigten Königreich damit als Vormaterialien ohne Ursprung und Be- oder Verarbeitungen im Vereinigten Königreich nicht mehr als ursprungsbegründend. Unternehmen, die Vormateralien ais Großbritannien beziehen, sollten den Anteil ihrer britischen Vorerzeugnisse daher genau betrachten und deren Wert genau ermitteln. Gegebenenfalls muss die Präferenzkalkulation neu durchgeführt werden. Schließlich kann speziell für Produkte, die nach der Wertklausel kalkuliert werden, die Erhöhung der Vormaterialien ohne EU-Präferenzursprung zum Verlust der EU-Präferenzeigenschaft führen. Das kann sich negativ auf Lieferungen an Kunden in Drittstaaten auswirken. Wenn diese icht mehr vom EU-Ursprung profitieren, werden die Lieferungen in Zukunft zu höheren Drittland-Zollsätzen statt zu den bisherigen Präferenz-Zollsätzen in das jeweilige Zielland erfolgen müssen.
Auswirkungen auf Lieferantenerklärungen
Lieferantenerklärungen aus dem Vereinigten Königreich werden nach Ablauf der Übergangsphase grundsätzlich ungültig, es sei denn, der britische Lieferant versichert, dass es sich bei der Ware um EU-27-Ware gehandelt hat. Ob das funktioniert, muss sich noch zeigen.
Lieferantenerklärungen aus der EU-27 gelten normal weiter. Sollte in der Erklärung allerdings neben dem präferenziellen Ursprung „Europäische Union” auch ein Hinweis auf das Vereinigte Königreich oder Großbritannien enthalten sein, hätte der Empfänger der Lieferantenerklärung Kenntnis über den „UK-Ursprung”. Mit der Folge, dass diese Ware ihre Präferenzeigenschaft verliert. Falls eine Lieferantenerklärung aus der EU-27 nur die Ursprungsangabe “Europäische Union” enthält, gibt es keinen Anlass nachzuforschen, ob es sich vielleicht um britische Ware handeln könnte. Stattdessen wäre der Lieferant in der Pflicht, darüber zu informieren.
Folgen für die Exportkontrolle
Auch auf die Exportkontrolle hat der Brexit Auswirkungen. Da das Vereinigte Königreich zum Drittland wird, sind anstelle der relativ seltenen Verbringungsgenehmigungen dann wesentlich häufiger Ausfuhrgenehmigungen erforderlich. Die Europäische Kommission hat dazu eine Liste mit den betroffenen Erzeugnissen erstellt. Damit möglichst wenige förmliche Ausfuhrgenehmigungen beantragt werden müssen, hat das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) eine Allgemeine Genehmigung AGG 15 veröffentlicht. Damit sollen unter anderem Dual-use-Güter-Lieferungen in das Vereinigte Königreich vereinfacht abgewickelt werden können, sofern der zugrunde liegende Vertrag vor dem Brexit abgeschlossen worden ist. Die EU hat mit der Verordnung (EU) 2019/496 die Möglichkeit geschaffen, ihre Allgemeine Genehmigung Nr. EU001 auf das Vereinigte Königreich auszuweiten.

Auswirkungen auf Richtlinien und Zertifikate

CE-Kennzeichnung
Zum 1. Januar 2021 wird die UKCA-Kennzeichnung (UK Conformity Assessed) im Vereinigten Königreich eingeführt, die das CE-Zeichen auf dem britischen Markt ersetzen wird.  
An den technischen Produktanforderungen sowie den Verfahren zur Konformitätsbewertung ändert sich zunächst nichts. Das Vereinigte Königreich übernimmt die bestehende EU-Gesetzgebung in nationales Recht. Die europäischen harmonisierten Normen und Standards werden in „UK Designated Standards“ umgewandelt.
Um Unternehmen Zeit zu geben, die notwendigen Anpassungen vorzunehmen, wird die CE-Kennzeichnung zudem für einen Übergangszeitraum bis zum 1. Januar 2022 ihre Gültigkeit behalten. Hierfür müssen jedoch bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein:  Die Anwendung ist nur möglich, sofern die britischen und die EU-Produktvorschriften identisch sind.
Falls die EU im Laufe des Jahres 2021 Anpassungen vornimmt, werden diese nicht mehr in britisches Recht übernommen. Für diese Produkte ist eine Verwendung der CE-Kennzeichnung auf dem britischen Markt nicht mehr möglich.
Des Weiteren wird die Nutzung der neuen UKCA-Kennzeichnung in einigen Fällen bereits ab dem 1. Januar 2021 verpflichtend sein. Dies ist der Fall, wenn:
  • Das Produkt für den britischen Markt bestimmt ist;
  • das UKCA-Label gesetzlich vorgeschrieben ist;
  • eine Konformitätsbewertung durch eine benannte Stelle vorgeschrieben ist;
  • diese Konformitätserklärung von einer britischen Konformitätsbewertungsstelle ausgestellt wurde.
Bereits produzierte und mit der CE-Kennzeichnung versehene Ware ist hiervon nicht betroffen.
Umfassende Informationen zu den neuen Anforderungen (sowie zu vorgesehenen Sonderregelungen bei Bau- und Medizinprodukten) hat die britische Regierung in mehreren Dossiers zusammengestellt:
Zu beachten ist, dass die neuen Regelungen zur UKCA-Kennzeichnung auf Nordirland keine Anwendung finden. Für Nordirland, das gemäß Austrittsabkommen Teil des EU-Binnenmarkts für Waren bleibt, kann insgesamt weiterhin die CE-Kennzeichnung verwendet werden.
REACH-Verordnung
Wenn das Vereinigte Königreich die EU verlässt, wird dies auch Auswirkungen auf die Chemikalienverordnung REACH haben.
Für den Europäischen Binnenmarkt vorgesehene chemische Stoffe benötigen ab einer Tonne pro Jahr eine Registrierung im Rahmen der REACH-Verordnung, auch aus Drittländern. Registrierungen für chemische Stoffe aus Großbritannien verlieren im Falle eines “no-deal Brexit” ihre Gültigkeit, falls betreffende Unternehmen keinen alleinigen Vertreter mit Sitz in der EU oder EWR benennen bzw. die REACH-Registrierungen nicht rechtzeitig auf EU/EWR-ansässige Rechtspersonen übertragen wurden. Dasselbe gilt für Stoffe aus Nicht-EU-Staaten, die zuvor über Großbritannien zugelassen wurden. Gemeinsame Stoffregistrierungen mit einem britischen Unternehmen, die von dem dortigen Unternehmen vorgenommen wurden, könnten nach dem Brexit ebenfalls nicht weiter bestehen und müssten neu registriert werden.
Die Europäische Chemikalienagentur ECHA rät betroffenen Firmen, vor dem Ende der Brexit-Übergangsphase entsprechende Transfers auf in der EU-27 ansässige Organisationen einzuleiten. Ansonsten bestehe das Risiko, dass über 700 chemische Substanzen nach dem Austritt nicht mehr auf dem EU-Markt verfügbar seien. Einen Fragen-Antwort-Katalog, aktuelle Verfahrenshinweise und ein Informationsvideo für Unternehmen finden Sie auf der Website der ECHA
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hat für Fragen und weitere Informationen zur REACH-Verordnung eine Helpdesk-Homepage eingerichtet.
Informationen für Unternehmen mit Sitz im Vereinigten Königreich hat die britische Regierung auf ihrer Internetseite zusammengestellt. Die Seite informiert darüber, wie die europäischen Regularien (REACH) bei der Verwendung, Herstellung und dem Verkauf bzw. der Ausfuhr von Chemikalien aus Großbritannien in die EU ab Januar 2021 eingehalten werden können.

Auswirkungen auf Verträge und Entsendungen

Verträge
Bestehende Verträge mit britischen Geschäftspartnern sollten zu einem geeigneten Zeitpunkt auf die neuen Rahmenbedingungen angepasst werden. Zu den zu überprüfenden Vertragsklauseln zählen die Wahl des geltenden Rechts und des Gerichtsstands, die Definition des „Gebiets der EU“ (bei Lizenz- oder Vertriebsverträgen), mögliche Vertragsergänzungen zum Ausgleich von Zöllen oder zur Währungsabsicherung. Vertragliche Regelungen zu CE-Kennzeichnungen sowie EU-Normen müssen ebenfalls neu definiert werden. Bei Dienstleistungs-, Arbeits- oder Handelsvertreterverträgen sind Neuregelungen bei der Arbeitnehmerfreizügigkeit oder der Dienstleistungserbringung zu beachten.
Weitere Informationen zu den Auswirkungen des Brexit auf Verträge finden Sie auf der Internetseite von Germany Trade & Invest.
Entsendungen und Dienstreisen
Das Recht der Personenfreizügigkeit erlaubt EU-Bürgern, in einem anderen EU-Land beruflich tätig zu werden, ohne zuvor eine Arbeitserlaubnis oder eine Einreisegenehmigung beantragen zu müssen. Dieses Recht gilt bis zum Austritt im Vereinigten Königreich weiter. Im Falle einer Übergangsphase ändert sich daran nichts. Die Entsendung von Mitarbeitern bliebe unter den bisherigen Bedingungen möglich.
Nach dem Austritt jedoch sind zwei Gruppen von Mitarbeitern zu unterscheiden:
  • EU-Bürger/innen, die sich am Tag des Brexit rechtmäßig im Vereinigten Königreich befinden, fallen unter die Vereinbarungen des Austrittsabkommens (dauerhaftes Bleiberecht). Das ist dann der Fall, wenn dieses vor dem 31. Oktober 2019 ratifiziert wird. Für den rechtmäßigen Aufenthalt gelten dann dieselben Voraussetzungen wie nach derzeitigem EU-Recht. Es gibt somit bis 2021 keine Änderungen bezüglich der Rechte und des Status von EU-Bürgern, die im Vereinigten Königreich leben. Falls sich EU-Bürger für einen "settled status" bewerben möchten, um über Juni 2021 hinaus weiterhin in UK leben zu können, ist das über diese Website möglich. 
  • Bei EU-Arbeitnehmern, die kurzzeitig aus EU-Mitgliedstaaten in das Vereinigte Königreich entsendet werden, ist zu beachten, dass die Entsenderichtlinie keine Gültigkeit mehr besitzt und in Großbritannien eigenständige Regelungen geschaffen und andersartige Verfahren eingeführt werden könnten. Auch diverse Visafragen sind noch nicht geklärt. Sollte es zu einem harten Brexit kommen, kann die Erbringung von Dienstleistungen lediglich nach WTO-Regeln erfolgen, d. h. dass manche Tätigkeiten sogar komplett ausgenommen sein könnten.
Germany Trade & Invest informiert in einem Rechtsbericht ausführlich über “Dienstreisen post-Brexit” und mögliche Szenarien. Angaben zur Sozialversicherung bei Entsendungen ins Vereinigte Königreich hat die Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung – Ausland (DVKA) auf ihrer Internetseite zusammengestellt.   

Britischer Zolltarif und Regelungen ab 2021

UK Global Tariff ab 1. Januar 2021
Das Vereinigte Königreich hat im Mai 2020 einen neuen Zolltarif veröffentlicht, der nach dem Ende der Brexit-Übergangsfrist ab dem 1. Januar 2021 gelten soll. In weiten Teilen entspricht dieser dem EU-Zolltarif, sieht jedoch auch Änderungen vor. 
Welche Zolltarife ab dem 1. Januar 2021 für welche Güter anfallen, können auf der Website “The UK Global Tariff” geprüft werden. Dort lassen sich die Zolltarife sowohl für den aktuell geltenden “Common External Tariff”, als auch für den künftigen “UK Global Tariff” recherchieren. Andere Einfuhrmaßnahmen, Antidumping-, Ausgleichs- oder Schutzzölle sowie Einfuhrbeschränkungen sind auf der Website nicht erfasst.
Mit Hilfe der Suchleiste können Waren auf drei verschiedene Arten gesucht werden: Durch die Eingabe des direkten Warencodes, mittels Produktbeschreibung oder auch durch eine Kombination der beiden.
Schrittweise Einführung von Zollformalitäten und Grenzkontrollen
Für die Zeit nach der Übergangsphase hat das Vereinigte Königreich die schrittweise Einführung von Zollformalitäten und Grenzkontrollen für Importware angekündigt.
Diese soll entzerrt in drei Stufen in Kraft treten, so dass die Wirtschaft entlastet und Importeure sich auf die neuen Gegebenheiten einstellen können. Der Warentransport zwischen der Republik Irland und dem britischen Nordirland ist von dieser Stufenregelung ausgenommen. Hier wird eine offene Grenze angestrebt, so dass die Regeln nur zwischen der irischen Insel und dem restlichen britischen Staatsgebiet gelten werden. Die EU hat ihrerseits nicht angekündigt, für Importe aus dem Vereinigten Königreich eine Stufenlösung vorzusehen.
Im Einzelnen sieht der britische Stufenplan folgende Phasen vor:
  • Ab Januar 2021 sind für alle Importe Zollanmeldungen und -zahlungen verpflichtend, diese können jedoch bis zu sechs Monate lang abgegeben bzw. beglichen werden. Lediglich für Waren wie Alkohol und Tabak, lebende Tiere oder Pflanzen sowie Chemikalien wird es Kontrollen geben.
  • Ab April 2021 müssen für alle Produkte tierischen Ursprungs sowie für landwirtschaftliche Produkte Voranmeldungen und ggf. Gesundheitszeugnisse abgegeben werden.
  • Erst ab Juli 2021 sind für alle anderen Waren zum Zeitpunkt des Imports Zollanmeldungen abzugeben, die entsprechenden Zölle zu zahlen und Erklärungen zur Produktsicherheit notwendig. Bis dahin soll Personal und Infrastruktur der britischen Grenzkontrollstellen ausreichend ausgebaut worden sein.  
Deutsche Unternehmen haben also noch etwas länger als bis Januar 2021 Zeit, bis sich die Zollformalitäten im Umgang mit den britischen Behörden perfekt eingespielt haben müssen.
Merkblätter und Orientierungshilfen
Das Anfang Juli 2020 von der britischen Regierung veröffentlichte Dokument “The Border with the European Union. Importing and Exporting Goods” geht detailliert auf Import- und Exportvorgänge ein, beschreibt Zollformalitäten, Zollverfahren und Abgabenerhebung im Vereinigten Königreich und weist auf die Regularien und Einfuhrbestimmungen besonderer Warengruppen hin.
Zudem wurden die Abläufe und bürokratischen Vorgaben in einem übersichtlichen Merkblatt “How to import goods from the EU into GB from January 2021” veröffentlicht.
Weitere Angaben zum Importverfahren und den notwendigen Schritten sind in der Orientierungshilfe “Declaring goods brought into Great Britain from the EU from 1 January 2021” sowie auf der Website UK Government publishes new Border Operating Model zu finden.
Außerdem wurden spezielle Informationen zum Import von Pflanzen und pfanzlichen Produkten sowie von Tieren und Produkten tierischen Ursprungs bereitgestellt.
Für Transporte aus der EU nach Nordirland und umgekehrt, wird sich auch nach dem 31. Dezember 2020 nichts ändern: Zölle sowie Ausfuhr- oder Einfuhrdokumente sind nicht vorgesehen. Die Details hat die britische Regierung in dem Papier “Moving goods under the Northern Ireland Protocol section three: moving goods from Northern Ireland to the European Union” zusammengefasst.

Weiterführende Informationen

Europäische Kommission
Die EU-Kommission bietet auf ihrer Website ausführliche Informationen zu den Brexit-Verhandlungen.
https://ec.europa.eu/info/european-union-and-united-kingdom-forging-new-partnership_de
Deutsche Bundesregierung
Die Bundesregierung hat auf ihrer Internetseite Fragen und Antworten zum Brexit zusammengefasst.
www.bundesregierung.de/breg-de/themen/europa/fragen-und-antworten-zum-brexit-476142
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi)
Das BMWi informiert auf seiner Internetseite zu den deutsch-britischen Wirtschaftsbeziehungen und gibt Antworten auf häufige Fragen zum Austrittsverfahren.
www.bmwi.de/Redaktion/DE/Artikel/Europa/brexit.html
Niedersächsisches Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung
Das Ministerium erläutert auf seiner Website, welche Folgen der Brexit für Niedersachsen haben wird.
www.mb.niedersachsen.de/startseite/aktuelles/brexit_und_niedersachsen/
Germany Trade & Invest (GTAI)
Germany Trade & Invest ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland und hat in ihrem Internetportal eine Sonderseite zu den Folgen des EU-Austritts Großbritanniens zusammengestellt. Im Fokus stehen die aktuellen politischen Geschehnisse. Darüber hinaus liefert die Website Hinweise zur Wirtschafts- und Rechtslage und umreißt erste Auswirkungen auf verschiedene Branchen.
www.gtai.de/gtai-de/trade/specials/special-brexit
Deutsch-Britische Industrie- und Handelskammer
Die Deutsch-Britische Industrie- und Handelskammer steht im ständigen Kontakt zu ihren 750 Mitgliedsunternehmen und hilft jährlich mehr als 5.000 deutschen Unternehmen im UK-Geschäft. Auf ihrer Internetseite informiert sie über die aktuelle Brexit-Situation.
https://grossbritannien.ahk.de/brexit/
Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK)
Der DIHK hat auf seiner Website aktuelle Informationen rund um das Thema Brexit aufbereitet. Interessierte finden dort Analysen, Hintergrundmaterial, Stellungnahmen und Umfrageergebnisse.
www.dihk.de/themen-und-positionen/europaeische-wirtschaftspolitik/brexit
Brexit-Checkliste des DIHK
Der DIHK hat ein Online-Tool entwickelt, das Unternehmen auf den EU-Austritt des Vereinigten Königreiches vorbereitet. Das Tool ist als Checkliste aufbereitet, in der Unternehmen die für sich relevanten Themenbereichen anklicken und bearbeiten können. Anschließend lässt sich eine zusammenfassende PDF generieren. 
www.ihk.de/brexitcheck
Brexit-Newsletter des DIHK
Außerdem informiert der DIHK in einem monatlich erscheinenden Newsletter "Brexit News" über die aktuellen Entwicklungen. 
www.dihk.de/de/service/newsletter/brexit-news-8490
“Brexit-Kompendium” deutscher Wirtschaftsverbände
Zur Bündelung der Anliegen der deutschen Wirtschaft für die Brexit-Verhandlungen haben namhafte deutsche Wirtschaftsverbände branchenübergreifend ein digitales Kompendium veröffentlicht. Auf der zugehörigen Website können die Positionspapiere der teilnehmenden Verbände nach relevanten Themenbereichen sortiert eingesehen werden. 
www.brexit-kompendium.de