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Brexit: Was Unternehmen wissen müssen

Wie es mit dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs weitergeht, kann erst nach der britischen Unterhauswahl am 12. Dezember beantwortet werden. Das betonten Außenhandelsexperten bei einer Informationsveranstaltung der Industrie und Handelskammer (IHK) für Ostfriesland und Papenburg in Emden. So bleibt die große Planungsunsicherheit in der Wirtschaft. Klar ist bislang nur: Wenn die Briten die EU verlassen, wird der Handel mit Großbritannien teurer und schwieriger. Doch die Unternehmen können sich darauf vorbereiten und sollten dabei weiterhin auch das Worst-Case-Szenario eines harten Brexits nicht aus den Augen verlieren. Das betonten Außenhandelsexperten bei einer Informationsveranstaltung der Industrie und Handelskammer (IHK) für Ostfriesland und Papenburg am 19. November in Emden.
Bundesweit gibt nur jedes vierte Unternehmen an, gut auf mögliche Folgen des britischen EU-Austritts vorbereitet zu sein. Auch wenn diese Zahl mit Blick auf die großen Verzögerungen bei den Brexit-Verhandlungen kaum verwunderlich ist, gibt es Punkte, auf die Betriebe sich schon jetzt vorbereiten können. Um welche Aspekte es dabei geht, stellten Nadine Bauer, Managerin Ausländisches Wirtschaftsrecht bei Germany Trade & Invest (GTAI), Melanie Hoffmann, Associate Zoll bei GTAI und Steuerberaterin Silke Czerr von Poppinga, Stomberg & Kollegen Steuerberatungsgesellschaft mbH den rund 30 Teilnehmenden im Plenarsaal der IHK vor. Neben verschiedenen Brexit-Szenarien erläuterten die Expertinnen, was bei der Zollabfertigung, Zertifizierungs- und Steuerfragen, beim Vertragsrecht oder bei Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen möglicherweise auf die Betriebe zukommt. Allein in Ostfriesland sind nach Kenntnis der IHK mehr als 200 Unternehmen betroffen, die Handelsbeziehungen mit dem Vereinigten Königreich unterhalten. Zumindest indirekt vom Brexit betroffen sein werden darüber hinaus aber auch jene Betriebe, deren Vorprodukte oder Zulieferketten mit Großbritannien zusammenhängen.      
So ergeben sich, wie in der Veranstaltung deutlich wurde, mit dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union aus zollrechtlicher Sicht im Bereich Warenursprung und Präferenzen eine Reihe Konsequenzen, da britische Waren den EU-Ursprung verlieren. Betroffene EU-Unternehmen müssten handeln, um die Vorteile aus Präferenzabkommen weiter nutzen zu können. Auch im Hinblick auf die Arbeitnehmerfreizügigkeit werde der Brexit Auswirkungen auf die betriebliche Praxis haben. Betriebe, die Mitarbeiter für Montagen ins Vereinigte Königreich entsenden, müssten mit deutlich mehr Zeit- und Bürokratieaufwand rechnen. Mehraufwand werde es darüber hinaus im Bereich Steuern geben, wenn Großbritannien nach dem Austritt aus der Europäischen Union umsatzsteuerlich ein Drittland sei.
Angesichts der vielfältigen Auswirkungen des Brexits unterstützen GTAI und die IHK Unternehmen mit aktuellen Informationen und Beratungsangeboten. Die GTAI-Sonderseite www.gtai.de/brexit hilft mit einem umfangreichen Wissenspool an Rechts-, Zoll- und Marktinformationen. Die IHK informiert auf ihrer Internetseite in Dokument-Nr. 4532910. Dort finden Unternehmen unter anderem die Checkliste „Are you ready for Brexit?“ des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), um den unternehmerischen Anpassungsbedarf zu prüfen.