Presse

IHK-Umfrage zeigt düstere Aussichten im Gastgewerbe

Das Gastgewerbe blickt mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. 83 Prozent der Unternehmen der Hotel- und Gaststättenbranche in Ostfriesland und Papenburg erwartet, dass sich die Geschäftslage in der anstehenden Saison verschlechtern wird. Der Klimaindex brach von zuletzt 136,4 auf 56,7 Punkte ein. Das geht aus der aktuellen Saisonumfrage der Hotel- und Gaststättenbetriebe hervor, die die Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg (IHK) zweimal im Jahr durchführt. Dennoch rechnen die meisten Betriebe mit einer Rückkehr zur Normalität im nächsten Jahr.
„In den letzten Jahren ist der Klimaindex immer weiter angestiegen. Das größte Risiko für die Unternehmen war lange Zeit der Fachkräftemangel. Das hat sich durch Corona nun um 180 Grad gedreht“, stellt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Torsten Slink fest. Nun werden die Arbeitskosten mit 74,3 Prozent auf Platz eins der größten Risiken genannt, gefolgt von den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen mit 62,7 Prozent. Hierunter fassen die Befragten vor allem die Einschränkungen durch Corona und damit verbundene Liquiditätsengpässe und Zukunftssorgen zusammen. Danach folgt der Fachkräftemangel mit immer noch 47 Prozent, was im Vergleich zur letzten Umfrage allerdings einer Halbierung entspricht. Auch geben 36 Prozent (in der Gastronomie sogar 43%) der Betriebe an, dass die Zahl der Beschäftigten in der nächsten Saison voraussichtlich abnehmen wird. Und auch die Inlands- und Auslandsnachfrage (36% bzw. 16,7%) haben ebenso wie Finanzierungsfragen (33,7%) als größte Risiken stark an Bedeutung gewonnen.
„Dreimal so viele Unternehmen wie bei der letzten Umfrage sehen die Inlandsnachfrage nun als Risiko an. Im Gastronomiebereich sind es sogar noch mehr. Auch das zeigt die schwierige Situation der Betriebe. Bisher wurde das Kommen der Gäste kaum in Frage gestellt. Der Wettbewerb drückt nun aber auch auf die Preise. 14 Prozent geben an, dass ihre Preise zukünftig sinken werden. Damit bleibt noch weniger Geld übrig für die Branche, die bereits jetzt von großen Umsatzeinbrüchen betroffen ist“, so Arno Ulrichs, Abteilungsleiter Tourismus bei der IHK. Auf das gesamte Jahr 2020 gerechnet erwarten 42 Prozent der Unternehmen einen Umsatzrückgang von mehr als 50 Prozent, weitere 41 Prozent erwarten einen Rückgang um 25-50 Prozent.
Wie schwierig die finanzielle Situation ist, zeigt auch die Frage danach, inwieweit Finanzhilfen in Anspruch genommen wurden. 88 Prozent der Unternehmen haben Kurzarbeit angemeldet, 86 Prozent Soforthilfe beantragt und 54 Prozent einen Liquiditätskredit beantragt. Jeder zweite Betrieb gibt an, weitere finanzielle Hilfen zu benötigen. Denn die aktuelle Situation zeigt weiter deutliche Einschränkungen der Geschäftstätigkeit: In der Gastronomie beklagten 68 Prozent der Befragten aktuell weniger Nachfrage. Die Beherbergung hatte vor allem mit Stornierungen zu kämpfen (66%). Vom Stillstand der geschäftlichen Tätigkeit berichteten in beiden Gruppen rund 45 Prozent der Betriebe. 57 Prozent werden weniger Investitionen tätigen. Rund 20 Prozent der Unternehmen haben während des Shutdowns Alternativen angeboten. Vor allem die Gastronomie (23%) konnte beispielsweise mit einem Liefer- und Abholservice zum Teil wichtige Einnahmen generieren.
„Es gilt jetzt denjenigen zu helfen, die noch immer von Einschränkungen betroffen sind. Sei es durch Vorschriften, die dazu führen, dass die Auslastung geringer ist, oder sei es durch die Zurückhaltung bei der Nachfrage. Ein Großteil der Betriebe kann derzeit nicht kostendeckend arbeiten. Dort müssen wir ansetzen“, fordert Dr. Slink.
Hoffnung gibt es erst für 2021: Je weiter man in die Zukunft blickt, desto positiver werden die Aussichten der Branche. Erwarten für die Sommersaison noch 85 Prozent der Unternehmen, dass sie schlechter wird als im Vorjahr, sind es für den Herbst noch 69 Prozent und für den Winter 59 Prozent. Vier von fünf Unternehmen rechnen mit einer Rückkehr zur Normalität ihrer Geschäfte im nächsten Jahr, 9 Prozent sogar noch in diesem Jahr.
An der Umfrage beteiligten sich im Zeitraum vom 8. bis 22. Juni 2020 88 Unternehmen aus Hotellerie und Gastronomie.