Tourismus

Lage des Gastgewerbes in weiter angespannt

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Die Lage des Gastgewerbes in Ostfriesland und Papenburg ist weiter angespannt. Zwar konnten viele Betriebe im Sommer wichtige Umsätze erzielen, die Ausfälle aus dem Frühjahr konnten damit aber nicht kompensiert werden. Durch den Lockdown Light hat sich die Stimmung in der Branche nach einer Aufhellung im Sommer erneut eingetrübt. Das geht aus der aktuellen Saisonumfrage der Hotel- und Gaststättenbetriebe hervor, die die Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg (IHK) zweimal im Jahr durchführt.
Mit einer Rückkehr zur normalen Geschäftstätigkeit rechnen die meisten Betriebe erst für das zweite Halbjahr 2021 oder später. 32 Prozent geben an, dass eine Einschätzung derzeit nicht möglich ist. „Was die Betriebe benötigen, ist eine Perspektive, wie es weitergeht. Es ist allen klar, dass die Entwicklung einer Pandemie nur schwer vorauszusehen ist. Hilfreich wäre aber ein Fahrplan mit verlässlichen Szenarien, welche Einschränkungen bei welchen Grenzwerten eintreten und auch, ab wann mit Lockerungen zu rechnen ist“, so IHK Hauptgeschäftsführer Dr. Torsten Slink.
Der Klimaindex stieg im Vergleich zum Frühsommer von 56,7 Punkten auf nun 75,2 Punkte. Zum Vergleich: Vor der Corona-Pandemie lag er im Herbst 2019 bei 136,4 Punkten. Denn trotz des guten Sommers an der Küste bleiben die Aussichten getrübt: So schätzen über die Hälfte der Betriebe die zukünftige Geschäftslage als ungünstiger ein.
Immerhin ein Viertel der ostfriesischen Betriebe im Gastgewerbe bewerten die zurückliegende Sommersaison als gut, weitere 40 Prozent zumindest als befriedigend. Trotz der schwierigen Umstände konnten 9,8 Prozent eine Umsatzsteigerung verzeichnen. Damit ist die Branche in der Region besser davongekommen als im Landesdurchschnitt. Doch es geht nicht allen Betrieben so: Bei 78 Prozent der Unternehmen ging der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück. Und auch im Oktober spürte ein Großteil der Unternehmen die Auswirkungen der Corona-Pandemie in Form von einem Rückgang von Aufträgen durch die Kunden (65,8 %), einer geringeren Nachfrage (51 %) oder gar einem Stillstand der Geschäftstätigkeit (23,5 %). Dies wirkt sich auch auf die Finanzlage aus. So beklagten 30,8 Prozent der Unternehmen Liquiditätsengpässe.
Als größtes Risiko bei der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens werden weiterhin die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und damit die Corona-Pandemie genannt mit 73,5 Prozent. Doch auch der Fachkräftemangel, der vor der Pandemie dauerhaft auf Platz eins lag, wurde nun wieder von 71,1 Prozent der befragten Unternehmen genannt. Im niedersachsenweiten Vergleich landet der Fachkräftemangel mit „nur“ 44,2 Prozent knapp hinter der Inlandsnachfrage auf Platz drei. „Daran ist deutlich zu sehen, dass die Corona-Pandemie weiterhin das beherrschende Thema ist. Auch die Nachfrage aus In- und Ausland wird deutlich häufiger als Risiko genannt als vor Corona. Für viele Betriebe hat sich in diesem Sommer aber auch der Mangel an Arbeitskräften wieder gezeigt“, so Arno Ulrichs, Abteilungsleiter Tourismus bei der IHK.
Methodischer Hinweis
Die Umfrage wurde vom 7. Oktober bis 6. November 2020 durchgeführt und schloss damit die Entscheidung über den Lockdown Light in den Befragungszeitraum ein. Eine Zwischenauswertung zeigt, dass fast alle Werte vor Ankündigung des erneuten Lockdowns leicht besser waren als die Ergebnisse des Gesamtzeitraums. Insgesamt nahmen 99 Unternehmen aus dem Gastgewerbe an der Befragung teil.