Ausbildungsabbruch: Probezeit und Schlichtungen

In den ersten Wochen einer neuen Ausbildung sollen sich Auszubildende und Ausbildungsbetriebe kennenlernen und für sich überprüfen, ob sie die richtige Entscheidung getroffen haben. Aus diesem Grund sieht das Berufsbildungsgesetz (BBiG) zwingend die Vereinbarung einer Probezeit vor. In dieser Zeit können beide Seiten das Ausbildungsverhältnis jederzeit, ohne Einhalten einer Frist und ohne Begründung kündigen (§ 20 BBiG). Die Dauer der Probezeit beträgt zwischen einem und maximal vier Monaten und wird im Berufsausbildungsvertrag festgelegt.
Nach der Probezeit ist eine Kündigung des Ausbildungsverhältnisses ungleich schwieriger. Jedes Ausbildungsverhältnis genießt einen besonderen gesetzlichen Schutz. Sollte es dennoch einmal zu ernsten Auseinandersetzungen zwischen Ausbildendem und Auszubildenden kommen, sollte der erste Schritt der Versuch einer gütlichen Einigung sein. Dabei stehen auch die Ausbildungsberater der IHK vermittelnd zur Seite. Sollte eine Einigung allerdings gescheitert sein, führt der Weg zum Arbeitsgericht über den Schlichtungsausschuss der Industrie- und Handelskammer. Der Ausschuss ist laut § 111 des Arbeitsgerichtsgesetzes für alle Streitigkeiten zuständig und kann jederzeit von Auszubildenden oder Ausbildungsbetrieben angerufen werden. Hierfür muss der Sachverhalt der IHK vor der mündlichen Verhandlung schriftlich vorgelegt werden.
Der Schlichtungsausschuss setzt sich aus je einem Vertreter der Arbeitgeber- und der Arbeitnehmerseite zusammen. In der Verhandlung strebt der Schlichtungsausschuss die gütliche Einigung zwischen beiden Seiten an. Wenn dies nicht gelingt, fällt der Ausschuss einen Spruch. Dieser wird wirksam, wenn er innerhalb einer Woche von den Parteien schriftlich oder mündlich zu Protokoll der Geschäftsstelle anerkannt wird. Erfolgt keine Anerkennung, so kann binnen zwei Wochen nach Zustellung des Spruches Klage vor dem Arbeitsgericht erhoben werden.
Der Abbruch einer bestehenden Ausbildung ist für Auszubildende und Ausbildungsbetriebe ein Rückschlag: Die Auszubildenden müssen sich neu orientieren und unter Umständen sogar einen kompletten Neustart machen. Und die Ausbildungsbetriebe verlieren Zeit und Geld, die sie in die Ausbildung der Nachwuchskraft gesteckt haben. Aus diesem Grund sollte ein Ausbildungsabbruch immer der letzte Schritt sein.