Standortpolitik

Noch nicht über den Berg...

Die Tourismusbranche in der Region braucht in Coronazeiten nicht nur Gäste, sondern auch Hilfe. Leider sind viele Förderprogramme zu komplex. Das Nachsehen haben die kleinen inhabergeführten Unternehmen, die die Region so einzigartig machen.
Ostfriesland und Papenburg haben eine relativ ordentliche Tourismus-Sommersaison erlebt. Viele Stammgäste waren nach den schweren Monaten des Corona-Lockdowns wieder in unserer Region, aber auch viele Gäste, die sonst eher die Fernreise bevorzugen, in Coronazeiten aber lieber auf Nummer sicher gehen wollen und ihren Urlaub im eigenen Land verbringen möchten.
Das hat den Betrieben aus dem Hotel- und Gaststättenbereich und anderen touristischen Teilbranchen gut getan. Eine ganze Reihe von Betrieben hat aber noch längst nicht wieder den Vorjahresumsatzstand erreicht – und die ausgefallenen Umsätze aus der Oster- und
Frühjahrssaison sind ohnehin nicht mehr auszugleichen. Die Freude über den touristischen Zuspruch für unsere Region im ausgehenden Sommer kann deshalb nicht den Blick verstellen auf die ernste Situation für viele Betriebe, die sich zum Herbst und Winter zuspitzen dürfte. Denn ein größerer Teil der Betriebe ist darauf angewiesen, im Frühjahr und Sommer die Rücklagen zu erarbeiten, die gebraucht werden, um im Winter über die Runden zu kommen. Etwa ein Drittel der Betriebe – so schätzt nicht nur der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband – wird sich diesen „Winterspeck“ nicht zulegen können. Ihnen droht das Corona-Aus mit Verspätung.
Die IHK hat die Politik auf Landes- und Bundesebene frühzeitig auf diese besondere Situation hingewiesen. Die Politik hat reagiert – mit zusätzlichen Förderprogrammen und Unterstützungen für einzelne besonders betroffene Teilbranchen wie den Gaststätten oder der Veranstaltungswirtschaft. Leider sind diese Programme häufig so kompliziert gestrickt, dass viele bedürftige Betriebe aus der Förderung herausfallen.
So steht zu befürchten, dass gerade die Betriebe, die den Tourismus bei uns so besonders und unverwechselbar machen, am Ende durch das Rost fallen. Kleine, oftmals familiengeführte Betriebe mit authentischer Regionalität und besonderer Ausstrahlung könnten am Ende zu den Verlierern gehören. Das Tourismusangebot könnte damit nach Corona ganz anders aussehen und sich mehr den Angeboten anderer Destinationen in Deutschland angleichen. Das wäre nicht nur ein großer Verlust – am Ende berührt das auch die Wettbewerbsfähigkeit – denn: wenn bei uns das Angebot genauso ist wie in anderen Regionen, warum sollte der Gast dann just zu uns kommen?